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Goldbarren als Vermögenssicherung

Gold stößt US-Dollar vom Thron der Reserveanlagen: Warum Zentralbanken plötzlich umdenken

Ende 2025 hielten die Notenbanken der Welt erstmals seit den 1990er-Jahren mehr Gold als US-Staatsanleihen. Was steckt hinter diesem Wandel – und wie grundlegend ist er wirklich?

Die Zahlen hinter dem Wendepunkt

Die Europäische Zentralbank hat im Juni 2026 in ihrem Jahresbericht zur internationalen Rolle des Euro die Verschiebung schwarz auf weiß dokumentiert: Gold machte Ende 2025 einen Anteil von 27 Prozent an den globalen offiziellen Reserven der Notenbanken aus. Ein Jahr zuvor waren es noch nur 20 Prozent gewesen, wie aus dem EZB-Bericht hervorgeht. Der Anteil an US-Staatsanleihen fiel daneben auf 22 Prozent. Der Euro hielt einen Anteil von 15 Prozent an den Gesamtreserven einschließlich Gold – zu unterscheiden von seinem Anteil an den reinen Devisenreserven, der laut EZB bei knapp 20 Prozent liegt.

Es ist das erste Mal seit 1996, dass ausländische Institutionen mehr Gold als US-Staatspapiere in ihren Reserven halten, wie die EZB in ihrem Bericht festhält. Die Notenbanken der Welt besitzen demnach inzwischen mehr als 36.000 Tonnen Gold und nähern sich damit dem Bretton-Woods-Niveau von rund 38.000 Tonnen an, das zuletzt Anfang der 1970er-Jahre verzeichnet worden war.

Wer kauft und warum

Die Haupttreiber des Kaufzyklus sind bekannt. Laut EZB-Bericht hat China seit 2022 mehr als 350 Tonnen Gold akkumuliert, Polen rund 320 Tonnen, die Türkei rund 220 Tonnen und Indien rund 130 Tonnen. Als entscheidender Beschleuniger gilt die Entscheidung Washingtons von 2022, nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine dessen Dollarreserven einzufrieren. Dieser Schritt löste bei vielen Notenbanken eine nüchterne Kosten-Nutzen-Abwägung aus: Gold trägt kein staatliches Gegenparteirisiko, es kann nicht gesperrt oder sanktioniert werden.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde formulierte das übergeordnete Motiv in ihrem Vorwort zum Bericht direkt: „Geopolitische Spannungen treiben weiterhin die starke Nachfrage der Zentralbanken nach Gold an“. Dass dieser Trend anhält, zeigen die aktuellsten verfügbaren Daten: Im ersten Quartal 2026 kauften Zentralbanken laut World Gold Council netto 244 Tonnen Gold – das stärkste Quartalsergebnis seit mehr als einem Jahr.

US-Staatsanleihen unter Druck

Das Misstrauen richtet sich aber nicht ausschließlich gegen die Sanktionierbarkeit von Dollarreseven. Zentralbanken nehmen auch die Haushaltslage der USA zunehmend kritisch wahr. Sorgen um die langfristige fiskalische Stabilität, steigende Schuldenlasten und Fragen nach der Unabhängigkeit der Federal Reserve beschleunigen laut Reuters-Analyse den Abbau von Treasuries-Positionen …

Dollardenominierte Vermögenswerte insgesamt, also Staatsanleihen, Bankeinlagen und andere Instrumente, kommen nach EZB-Angaben auf einen Anteil von rund 42 Prozent an den gesamten offiziellen Reserven …

Quelle: Artikel von Paul Schütte auf finanzen.net

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