15 Jahre lang zahlte ich in die Riester-Rente ein. Dann habe ich sie gekündigt. An der staatlich geförderten Altersvorsorge haben vor allem die Versicherer und Finanzberater verdient. Wie viel ich zurückbekommen habe und warum die Riester-Rente gescheitert ist …
Die Riester-Rente war einmal als große Idee gedacht. Vor gut 20 Jahren wollte der Staat die private Altersvorsorge fördern und Menschen dazu bringen, zusätzlich Geld für das Alter zurückzulegen, statt sich allein auf die gesetzliche Rente zu verlassen. In der Theorie klingt das vernünftig. In der Praxis entpuppte sich das Modell für viele als teurer Irrtum. Denn ein erheblicher Teil der staatlichen Zulagen landet nicht etwa bei den Sparern, sondern versickert in Gebühren, Provisionen und Verwaltungskosten der Versicherer. Rund 16 Millionen Menschen in Deutschland besitzen einen Riester-Vertrag, viele davon mit derselben Frage im Kopf: Weiterlaufen lassen, weil schon so viel Geld hineingeflossen ist? Oder kündigen, um den Schaden wenigstens zu begrenzen? Ich habe meinen Vertrag nach 15 Jahren beendet und einmal genau nachgerechnet, wie viel ich eingezahlt habe – und wie wenig davon am Ende übrig blieb …
Unterm Strich bleibt ein bitteres Ergebnis: Ich habe 15 Jahre lang gespart und trotzdem rund ein Viertel weniger zurückbekommen als das, was ich selbst eingezahlt hatte. Etwa 2.400 Euro gingen durch Vertragswechsel, Gebühren und laufende Kosten verloren. Dass es diese Kosten überhaupt in diesem Ausmaß gibt, erwähnten weder die Finanzberater noch die Versicherungsmakler besonders offensiv. Wahrscheinlich aus gutem Grund. Denn sobald man versteht, dass die staatlichen Zulagen oft vor allem die Versicherer subventionieren, verliert die Riester-Rente sehr schnell ihren Zauber.
Oder anders gesagt: Hätte ich die 70 bis 85 Euro monatlich einfach zu Hause in einen Sparstrumpf gesteckt, hätte ich heute rund 2.400 Euro mehr.
Neue Altersvorsorge löst Riester-Rente ab
Dass die Riester-Rente zu kompliziert, zu teuer und für viele schlicht zu unattraktiv geworden ist, hat inzwischen auch die Politik verstanden. Der Bundestag beschloss am 27. März 2026 eine Reform der privaten Altersvorsorge. Ab 2027 soll deshalb voraussichtlich ein neues Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ersetzen. Das allein sagt schon einiges über den Zustand des bisherigen Modells aus. Wenn selbst der Staat seine eigene Prestigevorsorge nach gut zwei Jahrzehnten austauschen will, war offenbar nicht nur das Marketing das Problem.
Wer noch einen Riester-Vertrag besitzt, sollte jetzt trotzdem nicht vorschnell kündigen oder hektisch den Anbieter wechseln. Denn genau bei solchen Wechseln und Kündigungen langen Versicherer erfahrungsgemäß noch einmal besonders beherzt zu …
Quelle: Artikel von Blasius Kawalkowski auf inside-digital.de
