Wachsende Staatsschulden und höhere Zinsen setzen viele Staaten unter Druck. Die Verspannungen am amerikanischen und japanischen Anleihemarkt zeigen: Ohne eine finanzpolitische Kehrtwende schnappt die Schuldenfalle früher oder später zu
Die Staatsfinanzen sind wieder in den Fokus gerückt. Steigender Finanzierungsbedarf bei inzwischen wieder höheren Zinsen bedeutet Stress für manchen Finanzminister. Besonderes Augenmerk liegt derzeit auf dem amerikanischen und japanischen Anleihemarkt. Beide Länder – insbesondere Japan – haben einen gewaltigen Schuldenberg angehäuft …
Wackelkandidaten auch in der Eurozone
In der Eurozone sieht die Lage zwar insgesamt etwas besser aus. Aber einzelne Länder – insbesondere Frankreich – sind ebenfalls finanzpolitische Wackelkandidaten. Die Stabilitätskriterien der Währungsunion werden von Frankreich und vielen anderen Ländern schon lange nicht mehr erfüllt. Gemäß dem „Compliance Tracker“ der Europäischen Kommission hat Frankreich die EU-Fiskalregeln in den letzten 25 Jahren nur zu 24 Prozent eingehalten. Selbst Deutschland kommt nur auf einen Wert von 54 Prozent.
Abgesehen von der mangelnden Regeltreue zeigen die offiziellen Zahlen zur Staatsverschuldung noch nicht die ganze Wahrheit. In Europa fehlen in den nationalen Daten etwa die gemeinschaftlich finanzierten Schulden (beispielsweise der sogenannten Corona-Wiederaufbaufonds „Next Generation EU“). Quantitativ weitaus bedeutender sind die verdeckten Schulden, die in den sozialen Sicherungssystemen schlummern. Sie summieren sich in Deutschland auf fast 400 Prozent des BIP und werden mit dem Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge nach und nach zu offiziellen Staatsschulden, wenn nicht zuvor Gegenmaßnahmen ergriffen werden …
Quelle: Artikel von Jörg König und Jörn Quitzau auf capital.de
