Goldpreis-Einbruch nach Rekordhoch
Das Börsenjahr 2026 zeichnet sich bisher als eines der turbulentesten in die Geschichte des Edelmetalls ab. Nachdem Gold im Januar getrieben durch die Eskalation im Nahen Osten noch von einem Rekordhoch zum nächsten eilte, erlebten Anleger im weiteren Jahresverlauf eine drastische Trendwende. Noch zu Beginn des Jahres erreichte der Preis des Edelmetalls ein neues Allzeithoch bei 5.416,4 US-Dollar je Feinunze. Inzwischen büßte der Goldpreis jedoch deutliche deutlich ein und notiert ganze 13,5 Prozent unter seinem Rekordhoch. Zuletzt lag der Preis je Feinunze bei 4.771,96 US-Dollar.
Warum Gold aktuell ein „Schnäppchen“ ist
Die drastische Korrektur des Goldpreises seit seinem Rekordhoch im Januar hat viele Anleger verunsichert, doch Nitesh Shah von WisdomTree wertet diesen Rückgang als eine der seltenen „ultimativen Kaufgelegenheiten“. In einem Interview mit Kitco News betonte der Experte, dass der massive Ausverkauf fast vollständig von den wirtschaftlichen Realitäten entkoppelt sei.
Laut Shahs Analysemodell lassen sich nur etwa 200 US-Dollar des Verlusts durch klassische Faktoren wie steigende Anleiherenditen, einen starken US-Dollar oder spekulative Positionsänderungen erklären. Der restliche, weitaus größere Teil des Einbruchs sei lediglich ein „aufgeblähter Überverkauf“. Dieser entstehe in Zeiten extremer Marktvolatilität vor allem durch erzwungene Liquidationen: Investoren verkaufen Gold nicht wegen mangelnden Vertrauens, sondern um schnell Liquidität zu beschaffen und Verluste in anderen Portfoliobereichen auszugleichen.
Shah erinnert daran, dass Gold bei großen geopolitischen Krisen historisch oft erst kurz nachgibt, bevor es zu einer massiven Gegenbewegung und neuen Höchstständen ansetzt. „Gold ist derzeit zu Schnäppchenpreisen erhältlich… das sieht wirklich nach einer guten Kaufgelegenheit aus“, so Shah. Für Anleger, die bisher abgewartet haben, könnte die jüngste Korrektur ihm nach genau der Moment sein, auf den sie gewartet haben: „Seit Jahren fragen mich die Leute: ‚Ich mag Gold, aber ich suche nach einem Einstiegszeitpunkt.‘ … Das ist wahrscheinlich genau das, worauf sie gewartet haben“, sagte er. „Wer jetzt nicht kauft, wird es im Leben nie tun.“
Zinspolitik, geopolitische Risiken und das 6.000-Dollar-Szenario
Ein wesentlicher Grund für die aktuelle Schwäche liege in der Erwartungshaltung des Marktes gegenüber den Zentralbanken – doch hier sieht Shah einen Denkfehler. „Ich bin sehr skeptisch, dass die Zentralbanken in diesem Umfeld die Zinssätze erhöhen würden“, erklärt er im Interview. Da die aktuelle Inflation primär durch angebotsseitige Schocks (wie Energieverknappung) getrieben werde, würde eine zu harte Geldpolitik unweigerlich in eine schwere Rezession führen. Er geht stattdessen davon aus, dass die Währungshüter eine abwartende Haltung einnehmen und den Inflationsdruck wirken lassen – ein Umfeld, das den Goldpreis fundamental stützt.
Für das Jahresende gibt sich der Analyst daher extrem optimistisch: Während sein Basisszenario einen Goldpreis von rund 5.020 US-Dollar vorsieht, hält er bei einer weiteren Eskalation geopolitischer Spannungen sogar die Marke von 6.000 US-Dollar für absolut realistisch. „Geopolitische Risiken werden nicht verschwinden, und wenn die Anleger das erkennen, dann werden die Goldpreise steigen“, so der Analyst. „Angesichts der neuen geopolitischen Risiken würde ich 6.000 Dollar nicht ausschließen.“ …
Quelle: Artikel auf finanzen.net

