Insolvenzen bedrohen über 200.000 Jobs. Die Zahl der Pleiten steigt auf den höchsten Stand seit Jahren. Geopolitik und Krisen verschärfen die Lage.
Berlin/Wiesbaden – „Schon jetzt hat der Nahost-Konflikt auf Deutschland deutliche Auswirkungen, und auch der US-Handelskrieg ist längst nicht vorbei“ – mit diesen Worten beschreibt Milo Bogaerts, Chef von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Lage der deutschen Wirtschaft. Sein Unternehmen erwartet für 2026 rund 24.650 Insolvenzen und sieht mehr als 200.000 Arbeitsplätze in Gefahr – ein Anstieg von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Das wäre der höchste Stand seit 14 Jahren“, so Bogaerts.
Die Zahlen decken sich unschön mit denen des Statistischen Bundesamtes. Die deutschen Amtsgerichte registrierten im Jahr 2025 insgesamt 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen – ebenfalls ein Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl liegt auf dem höchsten Stand seit 2014, als 24.085 Fälle verzeichnet worden waren …
Maschinenbau und Metallwaren: Industrieherz in der Krise
Besonders alarmierend sei die Lage aber nach wie vor im Kernbereich der deutschen Industrie. Laut einer Analyse der Unternehmensberatung Falkensteg, die der Wirtschaftswoche vorliegt, führten Metallwarenhersteller 2025 erstmals die Branchenstatistik der Großinsolvenzen an: 67 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro meldeten Insolvenz an – ein Anstieg von rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr …
Als Ursachen nennt Falkensteg ein Bündel an Faktoren: schwache Investitionsgüternachfrage seit 2023, stagnierende Produktion, hohe Energiepreise, gestiegene Zinsen, anziehende Tariflöhne sowie erhöhte Rohstoffpreise. Viele Unternehmen könnten die Kostenbelastungen nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben. Hinzu kämen strukturelle Standortschwächen wie Fachkräftemangel, Bürokratie und lange Genehmigungswege …
Quelle: Artikel von Lennart Niklas Johansson Schwenck auf merkur.de
