Japans Investoren könnten Geld aus den USA abziehen. Das würde Amerikas Schuldenproblem verschärfen und auch Privatanleger treffen …
Das Wichtigste im Überblick:
- Japanische Investoren halten derzeit rund eine Billion Dollar an US-Staatsanleihen – mehr als jedes andere Land außerhalb der USA.
- Die Bank of Japan hebt wegen steigender Inflation schrittweise die Zinsen an.
- Höhere Renditen in Japan könnten Kapital aus den USA abziehen.
- Schwächere Nachfrage nach US-Anleihen erhöht den Druck auf den ohnehin stark verschuldeten amerikanischen Staat …
Für die USA kommt Entwicklung zur Unzeit
Für die USA kommt diese Entwicklung zur Unzeit. Bereits jetzt zeigen Auktionen amerikanischer Staatsanleihen schwächere Nachfrage. Das US-Finanzministerium musste laut „Fortune“ erstmals seit 2007 wieder 30-jährige Staatsanleihen mit einer Rendite von fünf Prozent platzieren.
Steigende Renditen bedeuten höhere Zinskosten für den Staat. Die USA zahlen inzwischen bereits rund eine Billion Dollar pro Jahr allein für den Schuldendienst. Gleichzeitig wächst das Haushaltsdefizit weiter.
Am Markt steigt die Nervosität
Auch am Markt steigt die Nervosität. Matt Smith vom Vermögensverwalter Ruffer sagte gegenüber der „Financial Times“: „Der Druck nimmt zu.“ Seine Prognose: Der Yen dürfte aufwerten, wenn japanische Investoren ihr Geld verstärkt im Inland anlegen …
Was im schlimmsten Fall passieren könnte
Das Worst-Case-Szenario wäre eine Kettenreaktion am globalen Anleihemarkt. Sollten japanische Investoren in großem Stil US-Staatsanleihen verkaufen, müssten die USA noch höhere Zinsen bieten, um neue Käufer anzulocken. Dadurch würden die Finanzierungskosten für den Staat weiter steigen – ebenso wie Kreditzinsen für Unternehmen, Immobilienkäufer und Verbraucher.
Im Extremfall könnte das mehrere Folgen gleichzeitig auslösen:
- fallende Kurse an den Aktienmärkten,
- eine Abschwächung der US-Konjunktur,
- steigende Refinanzierungskosten für Banken,
- Druck auf hoch verschuldete Unternehmen,
- Turbulenzen am Dollar- und Währungsmarkt.
Da US-Staatsanleihen als Fundament des globalen Finanzsystems gelten, hätte ein Vertrauensverlust weltweit Auswirkungen …
Quelle: Artikel von Thomas Sabin auf focus.de

